Feb 062012
 

Das 2011 lancierte Social Trading Tool von eToro ist revolutionär. Mit dem Copytrader können Sie mit einem Mausklick anderen Tradern folgen und zukünftig alle Ihre Positionen im Verhältnis 1:1 kopieren. Das läuft so ab, dass Sie zunächst im eToro Openbook die Ranglisten (Rankings) überprüfen. Wenn Sie denken, dass ein Trader auch in Zukunft erfolgreich ist, dann klicken Sie ihn an und können einen Betrag bis 20% Ihres Vermögens auf ihn setzen, beispielsweise 1‘000$. Eröffnet jetzt dieser Trader mit 15% seines Vermögens eine neue Position, dann setzen Sie praktisch zeitgleich und automatisch 150$ auf dieselbe Position. Maximal können Sie bis zu zehn erfolgreichen Händlern folgen.

Am besten probieren Sie den eToro Copytrader einmal selbst aus. eToro bietet immer wieder besondere Aktionen mit denen es noch lukrativer für Händler wird.

Klicken Sie hier um sich selbst ein Bild davon zu machen!

Dies tönt sehr verlockend. Statt dass Sie ständig Nachrichten lesen und versuchen, daraus ihre Schlüsse zu ziehen, sowie viel Zeit mit der technischen Analyse von Kursbewegungen verbringen, suchen Sie sich einfach ein paar erfolgreiche Trader heraus und kopieren die Denkarbeit dieser Personen. Es ist also fast so, wie wenn Sie die besten Schachspieler kopieren könnten.

Das Problem ist, dass „wenn etwas zu gut tönt, um wahr zu sein, dann ist es meistens so“. Es gibt keine risikolosen Gewinne und auch keine Programme oder Anleitungen, um schnell und risikolos reich zu werden. Lesen Sie deswegen jetzt unsere Erfahrungen mit dem Copytrader von eToro.

 

Funktioniert der Copytrader? Unsere Erfahrungen

Wie Sie vielleicht auch waren wir zu Beginn absolut begeistert von der Idee, erfolgreiche Trader zu kopieren und so „im Schlaf“ Geld zu verdienen. Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit haben uns aber davon abgehalten, gleich mit echtem Geld den Copytrader zu testen. Stattdessen haben wir ein kostenloses Demokonto bei eToro eröffnet und mit den 10‘000$ Spielgeld Erfahrungen mit dem Copytrader gesammelt. Dabei haben wir zunächst viel Zeit aufgewendet, die wirklich erfolgreichen Trader zu finden. Wichtig erschien uns dabei, nicht diejenigen mit dem höchsten Gewinn, sondern solche Trader zu kopieren, die über einen langen Zeitraum kontinuierlich Geld verdient haben, zu kopieren. So sind wir bei 10 Tradern gelandet. Dabei haben wir Beträge zwischen 500 und 2000$ alloziiert, und insgesamt nur drei Viertel der 10‘000$ überhaupt eingesetzt. Das Resultat von mehreren Monaten sehen Sie hier:

 

Sie sehen, dass trotz sorgfältiger Auswahl der besten Trader ein Verlust von 2‘000$, also minus 20% des Gesamtkapitals in wenigen Monaten, resultierte. Bezogen auf das eingesetzte Kapital betrug der Verlust sogar 27%. Wie ist das möglich? Wir versuchen, dies zunächst anhand eines der meistkopierten Tradern  beispielhaft zu zeigen und anschliessend u.a. anhand einer bekannten Finanzmarkt-Theorie die Gründe für unsere negativen Erfahrungen mit eToro aufzuzeigen.

 

NMarijus –2‘500 „Copiers“ und 15‘800 Anhänger

Jetzt, im Februar 2012, hat NMarijus immer noch über 2‘500 Trader, die ihn kopieren. Auch wir gehörten dazu, er erschien uns als eine sehr gute Wahl:

Sie sehen in der Grafik, wie der Litauer es geschafft hat, über einen Zeitraum  von fünf Monaten einen Gewinn von 450% zu erzielen. Und dies nicht mit einem Glückstreffer, bei dem er viel Kapital riskierte, sondern kontinuierlich mit vielen einzelnen Trades. Ein idealer Trader zum kopieren also.

Leider setzte kurz nachdem wir ihm folgten eine Trendwende ein:

 

Seine ganzen Gewinne aus fünf Monaten waren nach wenigen Wochen komplett verloren. Noch immer hat NMarijus 2’500 Copiers, also Leute, die ihn kopieren. Wir hoffen, dass sich darunter viele wie wir befinden, die kein echtes Geld riskiert haben. Denn wer im falschen Moment hier eingestiegen ist, hat trotz der sehr guter Performance in der Vergangenheit einen Grossteil seines Vermögens verloren.

Doch wie konnte das passieren? Wir sehen folgende Gründe und Erklärungen.

 

Verluste mit Copytrader – Gründe und Erklärungen

Wir sehen drei wesentliche Gründe, die dagegen sprechen, den eToro Copytrader als Werkzeug zu sehen, schnell und ohne Aufwand Gewinne machen zu können. Aufgrund der Erfahrungen mit den kopierten Tradern sehen wir folgende Erklärungen, warum der Copytrader bei uns (und wohl bei vielen anderen auch) nicht funktionierte.

Survivorship Bias

Dies ist ein bekannter Ausdruck aus der Analyse von Fonds. Insbesondere in der Hedge Fonds Industrie ist das ein häufiges Problem. Gemeint ist damit, dass eine Tendenz besteht, nur die Perfomance der „Überlebenden“ zu beobachten – der sogenannte „Survivorship Bias“. Bei Hedge Fonds ist es so, dass diese sehr riskante Anlagen tätigen. Einige davon erzielen hohe Verluste mit ihrer Strategie. Das führt dazu, dass Anleger ihre Anteile verkaufen und der Fonds schlussendlich geschlossen wird. Ein solcher Fonds, der nach drei Jahren liquidiert wird, erscheint aber in keiner Analyse zur Peformance von Hedge Fonds über einen Zeitraum von fünf Jahren. Somit erscheinen die Resultate von Hedge Fonds besser, als sie tatsächlich sind.

Und dasselbe ist beim eToro Copytrader der Fall. eToro verfügt über hunderttausende von Kunden. Deren Ergebnisse werden alle ausgewertet. Und da ist klar, dass selbst wenn keiner eine Ahnung vom Forex Trading hat, ein gewisser Prozentsatz davon Erfolg haben wird – einfach aus purem Zufall. Solche Trader erscheinen dann in den Bestenlisten von eToro und werden fleissig kopiert. Andere Händler können aber nicht wissen, ob solche Trader wegen ihrer Erfahrung, ihren Analysen und ihrem Instinkt erfolgreich waren, oder ob sie einfach Glück hatten.

 

Trading Strategie funktioniert nicht mehr

Ein ähnlicher Erklärungsansatz ist, dass die Trading-Strategie nicht mehr funktioniert. Sie kennen sicher die Aussage aus dem Haftungsausschluss und Risikohinweis: „In der Vergangenheit erzielte Gewinne sind keine Garantie für zukünftige Gewinne“.  Der Devisenmarkt ist sehr schnelllebig. Eine Strategie, die vor kurzem noch funktionierte, kann plötzlich zu hohen Verlusten führen. Es kann also sein, dass Sie zwar einen Trader finden mit einer funtionierenden Strategie. Wenn Sie ihm jedoch zu lange folgen, funktioniert die Strategie unter den veränderten Marktbedingungen nicht mehr und Sie realisieren Verluste statt Gewinne.

 

Marktbeeinflussung

Im globalen Devisenmarkt ist eine Beeinflussung des Marktes fast nicht möglich, einfach aufgrund der riesigen gehandelten Volumen. Was aber, wenn wie im Fall von NMarijus plötzlich 2500 Personen zeitgleich genau dieselbe Transaktion durchführen? Wir können diese Frage nicht sicher beantworten. Aber wenn bei den kopierenden Tradern solche mit viel Kapital vorhanden sind, dann wird ein Order von NMarijus in Sekunden (oder Bruchteilen davon) um den Faktor 10‘000 oder mehr aufgebläht. Eine Beeinflussung des Marktes kann man jedenfalls nicht per se ausschliessen.

 

 

Was tun? Sollen Sie den Copytrader von eToro lieber nicht nutzen? Unsere Tipps

Wir sind nach wie vor überzeugt davon, dass der Copytrader funktionieren kann und dass eToro hier wirklich eine bahnbrechende Innovation lanciert hat. Allerdings empfehlen wir folgendes:

 

Achten Sie darauf, wen Sie kopieren

Legen Sie grössten Wert in die Analyse, wem Sie Ihr Geld anvertrauen wollen. Heftige Schwankungen im Chart zeigen, dass hier ein Trader zu viel seines Kapitals auf einzelne Trades einsetzt. Das kann über eine gewisse Zeit gut gehen, birgt aber das Risiko, dass irgendwann ein Grossteil des Kapitals mit einem Trade verloren geht. Zudem sollte der Trader über längere Zeit erfolgreich gewesen sein.

 

Guru Finder – Nutzen Sie die erweiterten Sucheinstellungen

Dazu ist der Guru Finder im Copytrader sehr hilfreich. Sie können hier verschiedene Filter bei der Suche nach erfolgreichen Tradern verwenden:

Average Position: Dies zeigt die durchschnittliche Grösse einer Position im Verhältnis zum verfügbaren Kapital an. Wie Sie vielleicht von den Regeln des Money Managements wissen, sollten maximal 1 bis 5% des Vermögens in einem Trade riskiert werden. Die Voreinstellung von eToro bei 50% ist dabei viel zu hoch. Setzen Sie den Filter auf 10% oder tiefer, um wenig riskant agierende Händlern zu finden.

Leverage: Dieser Prozentsatz gibt nicht den Leverage selbst an, sondern wie häufig der Trader Positionen eingeht, bei dem er einen Leverage von 100 oder höher verwendet. Dies ist ein weiteres Mass für das Risiko.

Weekly Drawdown: Dieser Wert zeigt an, wie hoch der höchste gemessene Verlust innerhalb einer Woche über den beobachteten Zeitraum war. Auch hier gilt: Je geringer der Wert, desto geringer das Risiko (und auch desto geringer die Gewinnchancen).

Winnings Weeks: Hier sehen Sie, in wie vielen Prozent der Wochen ein Trader Gewinn gemacht hat. Wenn ein Trader in 20 von 25 Wochen Gewinn gemacht hat, dann beträgt sein Wert 80%.

Win Ratio: Das ist die Anzahl Trades mit Gewinn durch die gesamte Anzahl Trades. Ein Händler, der in 70 von 100 Trades einen Gewinn erzielt hat, hat ein Win Ratio von 70%.

Gain: Das ist der Gewinn (inklusive nicht realisierter Gewinne oder Verluste) in Prozent gerechnet

Min. Trades: Hier können Sie nach Tradern suchen, die eine Mindestanzahl an Trades durchgeführt haben in der Zeitperiode. Je höher die Anzahl Trades, desto aussagekräftiger sind die analysierten Werte.

Avg. Trade Duration: Hier können Sie einstellen, wie lange die durchschnittliche Haltezeit mindestens sein soll. Die Skala reicht von einer Stunde bis 30 Tage

Exposure: Hier können Sie frei danach suchen, wie viel Prozent seines Vermögens ein Trader durchschnittlich einsetzt, beispielsweise 30% bis 70%. Wenn ein Trader jeweils nur 5% seines Kapitals einsetzt, dann können Sie vermuten, dass auch nur maximal 5% des alloziierten Vermögens verloren gehen kann und andererseits die Gewinnaussichten im Verhältnis zum Kapital gering sind. Wichtiger erscheint uns hier der erste Wert im Guru Finder, die „Average Position“.

 

Portfolio und Historie

Zusätzlich sollten Sie einen Blick auf das Portfolio und auf die Trading Historie werfen. Im Portfolio sehen Sie übersichtlich dargestellt, welche Arten von Trades die Person durchführt, aufgeteilt in Devisen, Rohstoffe und Indizes. In der Historie sehen Sie konkret die letzten 100 ausgeführten Trades.

Wichtig: In der Historie sehen Sie auch, ob die Person selbst Trades von anderen Leuten kopiert. Das müssen Sie bei Ihrem Risikomanagement berücksichtigen. Ihr Risiko ist höher, wenn Sie Personen folgen, die ihrerseits Personen folgen, deren Trades Sie schon direkt kopieren.

 

Fazit zum eToro Copytrader

Der Copytrader von eToro ist ein Sprung in eine andere Welt des Handels. Dank der Transparenz können Sie erfolgreiche Trader suchen und deren Handlungen ohne Aufwand automatisch kopieren. Wir haben Ihnen gezeigt, dass es dennoch nicht einfach ist, damit Gewinn zu erzielen. Wichtig ist, dass Sie genügend Zeit in die Auswahl von geeigneten zu kopierenden Tradern investieren und diese auch regelmässig überprüfen.

Auf alle Fälle sollten Sie sich diese neuen Möglichkeiten selbst näher anschauen. Mit einem kostenlosen Openbook Demokonto können Sie mit fiktiven 10‘000$ ohne Risiko bei eToro handeln.

 

Eröffnen Sie gleich ein kostenloses Demokonto, um den Copytrader selbst zu testen 
Und was sind Ihre Erfahrungen mit dem Copytrader? Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung dazu:

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  One Response to “eToro Copytrader Erfahrungen: Lohnt es sich?”

  1. Es gibt schon einiges, was beim Copytrading zu beachten ist. Leider gibt es immer noch viele zu viele, die das Thema unterschätzen.